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Das Prinzip Lena – auch in der Fashion relevant

Sonntag, 30. Mai 2010

Wir schreiben hier ja keinen Musikblog, trotzdem war der gestrige Eurovision Song Contest in Oslo auch für uns ganz spannend. Nicht nur unter Stylegesichtspunkten: gefühlte 70% der Moderatorinnen hatten zur Durchgabe der Länderwertung ein asymmetrisch geschnittenes, schulterfreies Kleid an.  Also wer noch keines im Schrank hat: schulterfrei ist diesen Sommer absolut in, z.B. bei Anja Gockel FS 2010! Leider sah man die Schuhe nicht, das hätte uns auch interessiert.

Dann fragte ich mich, ob Lena in ihren schwarzen Tights und dem schlichten kleinen Schwarzen (LBD) auf der großen Bühne im Vergleich zu den anderen SängerInnen, mit teilweise sehr farbenfrohen Outfits (man erinnere sich nur an die witzigen Schmetterlingsflügel der Weißrussen),  genug Oompf haben würde.  Hatte sie aber. Es war toll zu sehen, dass die Zuschauer nicht nur auf Platz 1, nein auch bei Platz 2  (Rock aus der Türkei) und Platz 3 (Klavierduo aus Rumänien) glattgespültem Europop eine klare Absage erteilten. Das hatten wir schon.
Übrigens zeigt sich das aktuell auch in der Mode: Kunden kaufen weniger impulsgesteuert noch ein T-Shirt oder eine Jeans, die sie ähnlich schon im Schrank haben, man sucht vermehrt das Individuelle, Wertige, also tolle Einzelteile von Labels, die authentisch sind. In der Krise besinnt man sich offensichtlich auf das “Echte”.

Und wie bekommt man das als Label hin: authentisch zu sein und doch den Massengeschmack zu treffen? Zur Erinnerung: Sowohl Lena Meyer-Landrut selbst wie auch ihr Song Satellite selbst wurden ja in einem zweistufigen Verfahren gecastet: zunächst befand eine Jury über die möglichen geeigneten SängerInnen für Oslo, dann wurde vom Publikum abgestimmt. Ditto für die Songs, Stefan Raab hatte neben einem eigenen Song noch zwei andere Auftragsarbeiten bei Songwritern und -komponisten am Laufen, dann wurde vom Publikum abgestimmt. So kamen wir zu Lena und Lena wiederum zu ihrem Song Satellite. Also eine Mischung von sachverständigem Input, Feedback der Basis und natürlich der Personality von Lena. Mit dem Internet und dem Handy ist das Einsammeln von Feedback ja nun kein Problem mehr, so hat z.B. Google durch Auswerten der Suchanfragen den Sieg von Lena tatsächlich korrekt vorhersagen können!

Davon können auch Labels lernen und manche sind schon dabei: so konnten während der letzten Burberry Prorsum Fashion Show bestimmte Styles (33 Taschen) online geordert werden. Jede Wette, dass Burberry die Vorabbestellungen zur Steuerung der Produktion ausgewertet hat.  Das Label Gerry Weber führt gerade  ein RFID-System in der gesamten Logistikkette von der Produktion bis in den Handel hinein ein und wird damit tagesgenau sehen können, welche Styles sich gut verkaufen und verstärkt zu produzieren sind.

 Das Prinzip Lena heißt also: eine sachverständige Vorleistung wie ein Kollektionsdesign bringen und dann nur das weitermachen, was tatsächlich ankommt. (Oder in Mediendeutsch: kuratierter Content plus Web 2.0). Stefan Raab hätte ja auch seinen eigenen Song “durchdrücken” können, wie es Ralph Siegel heldenhaft bis zuletzt versucht hat und reihenweise Mißerfolge produzierte, der schlaue Entertainer ließ sich gerne vom Publikum helfen.

Ein Lehrstück und sicheres Rezept, das auf Fashion angewendet mehr “spot on” Erfolge produzieren und last not least Resourcen sparen würde. Wieviele Kleidungsstücke werden jede Saison produziert, die nur mit großen Rabatten verkäuflich sind!

Beim nächsten Eurovision Song Contest sollten die Veranstalter übrigens von Japan lernen und so wie dort schon mehrfach geschehen, die Styles der Bands während der Show zum Shoppen per Handy und Online anbieten! Die Conversion bei 125 Mio Zuschauern wäre gigantisch. Auch die Schmetterlingsflügel und Lenas LBD würden Abnehmer finden Icon Wink in